Reisen & Recherchen



Iny Lorentz

Inhalt:
Madeira - Wind und Meer
Wien und die SONDERPAARE
Die Buchmesse in Krakau
Prag und die Rache der Wanderhure
Zypern
Die grüne Insel
Warschau im Mai 2010
In Norwegen auf der Hurtigruten
Bei der Wanderhure in Fót (Dreharbeiten von Sat 1)
Auf Recherche in Rom


Madeira - Wind und Meer



Eine der wichtigsten Dinge für einen Schriftsteller ist die Recherche. Es gilt, Sachbücher und Chroniken zu lesen, Bilder anzusehen und eben auch den heimatlichen Schreibtisch zu verlassen und an interessante Orte zu reisen, um neue Eindrücke zu gewinnen. Diese kann man sowohl für bereits geplante Romane verwenden, wie auch als Anregung für Romane, die in Zukunft entstehen könnten.

Für heuer hatten wir eigentlich eine Recherchereise nach Süditalien geplant, mussten diese aber aus verschiedenen Gründen auf nächstes Jahr verschieben. Stattdessen beschlossen wir, den Spuren der portugiesischen Entdecker zu der Zeit zu folgen, als diese ihre Schiffe zum ersten Mal ins Unbekannte hineinsteuerten. Auch wenn den Gebildeten unter ihnen längst bewusst war, dass die Erde eine Kugel sein musste, so zitterten die einfachen Matrosen vor Angst, ans Ende der Welt zu geraten und dort in das Reich der Hölle zu stürzen.

Es war das Verdienst Heinrichs des Seefahrers, die Erforschung der Seewege an der Küste Afrikas voranzutreiben, und von Männern wie João Gonçalves Zarko und Tristão Vaz Texeira, die vermutlich in Italien geklauten Seekarten folgend die Inseln Porto Santo und Madeira erreichten und für die Krone Portugals in Besitz nahmen.



Unser Flug nach Madeira war sicher bequemer als Zarkos und Texeiras Fahrt mit ihren Nussschalen. Wie meistens auf Recherchereisen wurden wir von unserer Agenturlektorin Ingeborg begleitet, deren Erfahrung wir zu schätzen gelernt haben. Der erste Eindruck von der Insel war atemberaubend. Alles blühte in bunten Farben und das Meer strahlte so blau wie sonst nur in einem Hollywoodfilm. Uns war jedoch bewusst, dass die Insel für João Gonçalves Zarko bei seiner Ankunft im Jahr 1418 einen anderen Anblick geboten hatte als uns. Damals war die Insel mit einem dichten Wald aus Lorbeergewächsen bedeckt und die meisten blühenden Pflanzen wurden erst später von Menschen auf Madeira eingeführt.

In den nächsten Tagen wurden Taxis und Überlandbusse unsere bevorzugten Beförderungsmittel. Es galt, möglichst viel von der Insel zu sehen und jene Orte aufzusuchen, an denen die frühen Seefahrer gewesen waren. Museen, Kirchen, aber auch die ursprüngliche Landschaft des Lorbeerwaldes waren unsere Ziele.

Wenn wir dann am Abend zusammensaßen und den Tag Revue passieren ließen, ergaben sich immer wieder überraschende und interessante Aspekte und es lockte uns förmlich, umgehend einen Roman über die frühen Entdecker zu schreiben. Ingeborg bremste unseren Enthusiasmus jedoch immer wieder, indem sie uns an die bereits geplanten Romane erinnerte, die schon teilweise recherchiert sind. Auch brauchen wir mehr Stoff als nur die Seefahrt zu unbekannten Inseln, damit ein runder Roman entstehen kann.

Dennoch freuten wir uns jeden Tag auf die Ziele, die wir auf Madeira anfahren wollten. Einen Tag aber verbrachten wir auf der weitaus kleineren Insel Porto Santo, die João Gonçalves Zarko als Erste im Madeira-Archipel angelaufen hat. Dort sahen wir, wie menschliche Besiedlung eine Gegend verändern kann. War diese Insel zur Zeit der Entdeckung ebenfalls von einem dichten Lorbeerwald bedeckt gewesen, so lag sie nun trocken und zu großen Teilen kahl vor uns. Die alten Wälder sind verschwunden und nur mit Mühe gelingt es, neue Bäume anzupflanzen. Der Wassermangel ist die große Geißel dieser Insel, denn ohne Bäume, deren Wurzeln den seltenen Regen speichern können, versickert das Wasser im Boden und verschwindet irgendwo im Meer.

Porto Santo war ebenso wie Madeira ein begehrtes Ziel von Piraten. Auch das wäre eine Geschichte, über die sich nachzudenken lohnt. Allerdings stießen wir auf Madeira auf Berichte über eine interessante Persönlichkeit, die wir nicht aus den Augen lassen sollten.

Iny und Elmar Lorentz






Wien und die SONDERPAARE

Es ist jetzt gut anderthalb Jahre her, dass Christine Haiden, die Chefredakteurin der österreichischen Frauenzeitschrift 'Welt der Frau' auf uns zukam, um uns für ihr neuestes Buchprojekt zu gewinnen. Christine Haiden hatte bereits mehrere Bücher über Menschen mit außergewöhnlichen Schicksalen geschrieben, so z.B. über Hundertjährige. Nun plante sie ein Buch über Paare, die sich ebenfalls außerhalb der Norm bewegen. Wir waren ihr als Schriftstellerehepaar aufgefallen, das so eng wie andere nur selten zusammenarbeitet und so fragte sie uns, ob sie uns für ihr Buch SONDERPAARE interviewen dürfe.

Was wir damals nicht wussten, war die Tatsache, dass wir für Christine Haiden das Versuchskaninchen darstellten, bevor sie weitere Paare ansprechen wollte. Sie war daher froh, dass wir einem Treffen zustimmten. Dieses verlief äußerst harmonisch. Auch der anschließende Fototermin mit Petra Rainer war sehr angenehm. Daher freuten wir uns auf das Buch und nahmen die Einladung des Residenz-Verlags zur Buchpräsentation am 14.11.2011 in Wien gerne an.

Als ökonomisch denkende Menschen, wie unsere Freundin und Agenturlektorin Ingeborg zu sagen pflegt, nahmen wir uns vor, nicht nur zu der Buchvorstellung von 'Sonderpaare' nach Wien zu fahren, sondern noch ein paar Tage anzuhängen, um Recherchen für einen zukünftigen Roman zu betreiben. Da wir das im Lauf des nächsten Jahres eh hätten tun müssen, traf es sich gut, dass wir beide Anlässe so ideal miteinander verbinden konnten.

Am Vormittag des 13.11.2011 machten wir uns zusammen mit Ingeborg auf den Weg in die Donaustadt. Unser Dicker legte die Strecke anstandslos zurück und so konnten wir gegen 15:00 Uhr in unserem Hotel unweit von Schloss Schönbrunn einchecken. Nach einem ersten Spaziergang trafen wir uns mit unserem alten Freund Hermann Urbanek, der nicht nur Inys erster Herausgeber war, sondern wahrscheinlich auch eine der größten Sammlungen an SF- und Fantasy-Literatur in Europa besitzt. Einige Stunden schwelgten wir in vergangenen Zeiten, ließen aber auch die Zukunft nicht außer Acht. Hermann berichtete uns von einigen Plänen, die er in den nächsten beiden Jahren verwirklichen will, und wir sprachen über unsere kommenden Romane. Es wurde für Hermann, der am Montagmorgen sehr früh aufstehen musste, fast zu spät. Auf jeden Fall war es ein angenehmer Abend mit interessanten Gesprächen.

Der Montag, der 24.11.2011 sah uns mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zum Belvedere fahren. Ingeborg war zuerst etwas skeptisch, doch waren wir schon oft genug in Wien gewesen und hatten die Stadt mit U-, S- und Trambahn erkundet, so dass wir in kurzer Zeit das Ziel erreichten. Der Hauptgrund, weshalb wir uns für das Belvedere entschieden hatten, war die Sonderausstellung der Bilder von Gustav Klimt, die dort stattfand. Ingeborg liebt Klimts Werke und so war der erste Teil des Tages ihr gewidmet.

Anschließend streiften wir durch die Stadt, um uns einige wichtige Stellen anzusehen, bis wir schließlich ins Hotel zurück mussten, um uns für die Buchvorstellung fertigzumachen. Die Veranstaltung fand im Jesuitenfoyer statt, einem gut geeigneten Veranstaltungsraum, der auch als Galerie Verwendung findet. Es waren sehr viele Stühle aufgestellt, doch kam eine solche Menge an Besuchern, dass etliche Leute stehen mussten. Es hatten sich auch einige der im Buch beschriebenen Paare eingefunden und so entspannen sich einige interessante Gespräche.

Uns freute besonders, dass Roswitha aus Wien, die wir über das Internet kennengelernt hatten, ebenfalls anwesend war, und wir auch mit ihr reden konnten.

Die Veranstaltung selbst begann mit einem Grußwort des Hausherrn, sprich des für diesen Raum verantwortlichen Jesuitenpater. Danach führte Julia Kospach durch den Abend. Neben Christine Haiden und Petra Rainer, die dieses Buch zusammen gemacht hatten, kamen auch die anwesenden SONDERPAARE zu Wort und gaben einen kurzen Einblick in ihre interessanten, aufregenden und ungewöhnlichen Lebensläufe.

Nach ausgezeichneten Schnittchen und ein paar Gläsern g'spritzten Rotweins galt es schließlich Abschied zu nehmen. Vorher wurden wir noch durch die Pressechefin des Residenz-Verlags informiert, dass eine Reporterin der 'Presse' uns am nächsten Vormittag gerne interviewen würde. Wir sagten zu und kehrten in unser Hotel zurück. Die Eindrücke bei der Buchvorstellung von SONDERPAARE waren jedoch zu groß, als dass wir sofort in Bett hätten gehen können. Daher saßen Ingeborg und wir noch eine Weile zusammen und tauschten unsere Gedanken aus.

Der nächste Vormittag begann mit dem bereits angekündigten Interview. Danach ging es in die Stadt auf vorher ausgesuchten Pfaden, um Informationen und Impressionen zu sammeln. Den Abschluss machte eine Kutschfahrt mit einem Fiaker durch die allmählich nächtlich werdende Innere Stadt. Unterwegs erhielten wir einen Anruf von der Pressechefin des Residenz-Verlags, dass auch eine Reporterin des 'Kurier' an einem Interview mit uns interessiert wäre.

Daher begann der Mittwoch ebenfalls mit einem Interview. Doch kaum war das vorbei, ging es strammen Schrittes zur U-Bahn-Station Schönbrunn, um die letzten wichtigen Plätze und Gebäude anzusehen und vor allem die Sachbücher zu besorgen, die wir für die Recherche brauchen. Einer der wichtigsten Punkte war das Heeresgeschichtliche Museum in Wien, aber auch einige Bauwerke und Straßen im Bereich der Inneren Stadt. Bei Anbruch der Dämmerung konnten wir sagen, dass wir unser gesamtes Programm erledigt und genug Bücher erworben hatten. Daher gönnten wir uns noch einen Aufenthalt in einem Kaffeehaus und kehrten schließlich erleichtert und zufrieden in unser Hotel zurück. Ein letztes Mal setzten wir uns zu dritt in der Hotel-Lounge zur Manöverkritik zusammen, dann ging es zu Bett.

Am nächsten Tag luden wir unser Gepäck wieder in den Dicken und nahmen Abschied von Wien. Eine schöne und erfolgreiche Reise ging, während unser Dicker brav nach Westen steuerte, allmählich zu Ende. Wir bedanken uns bei Christine Haiden, Petra Rainer und dem Residenz-Verlag für die Einladung und freuen uns auf den Roman, für den wir ebenfalls nach Wien gefahren sind.


Iny und Elmar Lorentz






Die Buchmesse in Krakau

Im Mai 2010 hatte uns Frau Sonia Draga, die Besitzerin das gleichnamigen Verlags, zur Warschauer Buchmesse eingeladen und wir durften dort ein paar wunderschöne Tage verleben. Daher gab es für uns kein Zögern, als Sonia Draga uns dieses Jahr zur Buchmesse nach Krakau einlud. Wir sollten diese Zusage nicht bereuen, auch wenn der Beginn der Reise sich äußerst chaotisch anließ. Unser Flugzeug sollte am Donnerstag, den 03.11.2011 um 06:35 in München starten. Wir waren rechtzeitig vor Ort, doch es tat sich nichts. Auf Elmars Nachfragen an einen Nebenschalter erfuhren wir schließlich, dass der Flug ausgefallen sei. Auf Lautsprecherdurchsagen oder Bildschirmanzeigen zur Information der Passagiere hatten wir vergeblich gewartet.

Unsere polnischen Gastgeber waren vom Ausfall des Fluges frühzeitig informiert worden und versuchten verzweifelt, uns auf die Maschine nach Kattowitz umzubuchen, so dass wenigstens der halbe Tag gerettet worden wäre. Doch hier bewies die Lufthansa erneut ihre bereits bei unserer Irlandreise vor gut einem Jahr gezeigte 'Kundenfreundlichkeit und Flexibilität' und stellte sich stur. Die einzige Alternative, die man anbot, war ein Flug nach Krakau am späten Nachmittag. Notgedrungen gingen wir darauf ein und Urszula Pawlik, die uns bereits in Warschau betreut hatte, musste das gesamte für diesen Tag geplante Programm absagen. Zwei Termine konnten schließlich am Samstag Freitag und Samstag nachgeholt werden, doch die geplante Lesung im ausverkauften Kulturhaus in Gleiwitz war nicht mehr zu retten.

Am späten Nachmittag hob die Maschine wirklich ab. Sicher war es auch diesmal nicht gewesen, da eine der beiden Landebahnen durch eine über die Landebahn hinausgeschossene Maschine blockiert wurde und deswegen fast siebzig Flüge ausfielen. Nach dem Ausfall des Morgenflugs hat man es jedoch nicht gewagt, auch noch den Nachmittagsflug nach Krakau zu annullieren. Eine gehörige Verspätung hatten wir trotzdem.

Daher waren wir froh, als wir endlich in Krakau angekommen waren und Urszula Pawlik und Barbara, die Assistentin von Sonia Draga, uns willkommen hießen. Beide waren von den vergeblichen Mühen um einen Alternativflug und der sinnlosen Warterei nicht weniger genervt als wir. Barbara brachte uns ins Hotel, das sich für uns Hotelhasser als brauchbar erwies. Den einzigen Programmpunkt, der von der Planung noch übrig geblieben war, stellte das Abendessen in der Altstadt von Krakau dar. Ein Spaziergang über den großen Markt gab uns bereits den ersten Eindruck von der ebenso prachtvollen wie lebendigen Metropole Südpolens. Das Essen selbst war ausgezeichnet und das Restaurant mit seiner Gewölbedecke herrlich mittelalterlich.

Nach dem Essen und einer angenehmen Unterhaltung mit Urszula Pawlik war die Zeit gekommen, ins Hotel zurückzufahren, um sich für den beiden kommenden Tage auszuruhen.

Nach dem Frühstück am Freitagmorgen wurde der erste der am Donnerstag ausgefallene Programmpunkt nachgeholt, nämlich ein Interview mit einer Reporterin der zweitgrößten Tageszeitung Polens. Danach ging es hurtig ins Stadtzentrum, wo wir das neue Museum der Geschichte der Stadt Krakau besuchten, das unter dem großen Marktplatz eingerichtet worden war. Früher gab es dort unzählige Keller, die teilweise noch vorhanden und in den Museumskomplex mit einbezogen worden waren. In Jahrelangen Ausgrabungen hatten die Archäologen wahre Schätze ans Tageslicht geholt, darunter sogar die niedergebrannten Fundamente von Holzhäusern, die während des Mongolensturms zerstört worden waren. Urszula Pawlik hatte uns eine sehr kompetente Führerin besorgt, die zudem sehr gut deutsch sprach, und so tauchten wir tief in die Geschichte der einstigen Hauptstadt Polens ein, die auch ein bedeutender Handelsknotenpunkt gewesen war.

Nach dem Mittagessen in einem ausgezeichneten Restaurant wurde es dann ernst. Wir waren ja schließlich nicht zur Sightseeingtour nach Krakau gekommen, sondern zur dortigen Buchmesse. Barbara erwartete uns am Eingang des Messegeländes und führte uns auf kürzestem Weg in die Halle zum Sonia-Draga-Stand. Nachdem wir Frau Draga und ihre Crew begrüßt hatten, ging es mit dem nächsten Interview weiter. Urszula Pawlik übersetzte wie immer auf dieser Reise die Fragen und Antworten und so kamen wir gut voran. Zwischendurch und anschließend galt es, die Signierwünsche unserer polnischen Fans zu erfüllen. Anders als in Warschau vor anderthalb Jahren hatten wir diesmal genug Autogrammkarten mitgenommen.

Zum Signieren wurden uns alle sieben bisher in Polen erschienenen Iny-Lorentz-Romane gereicht. Damit weist Polen die höchste Zahl an Iny-Lorentz-Übersetzungen auf. Dabei soll es aber nicht bleiben, denn nach 'Die Wanderhure', 'Die Kastellanin', 'Das Vermächtnis der Wanderhure', 'Die Tochter der Wanderhure', 'Die Feuerbraut', 'Die Tatarin' und 'Die Pilgerin' werden noch weitere unserer Romane bei Sonia-Draga verlegt.

Diesmal wurde die Premiere der 'Pilgerin' gefeiert, was uns natürlich riesig gefreut hat. Immerhin handelt es sich dabei um den zehnten Iny-Lorentz-Roman, der in eine andere Sprache übersetzt worden ist.

Kurz vor Feierabend haben wir uns noch ein wenig in der Halle umgesehen. Auch wenn wir der polnischen Sprache nicht mächtig sind, war es doch eine schöne Sache für uns, die Bücher zu betrachten. Wir haben dabei auch einige Übersetzungen deutscher Kolleginnen und Kollegen entdeckt, so Sabine Ebert (ebenfalls Sonia-Draga, Charlotte Link (Sonia-Draga), Ines Thorn und noch einige mehr.

Nachdem die Buchmesse für diesen Tag geschlossen hatte, verabschiedete Frau Draga sich, um an einer Sitzung des polnischen Verlegerverbandes teilzunehmen, und wir folgten unserer geduldigen Begleiterin Urszula Pawlik in die Krakauer Innenstadt. In der Tuchhalle wurden zwar schon etliche Stände geschlossen, dennoch gelang es uns, noch ein paar Mitbringsel zu erstehen. Das Abendessen war erneut vorzüglich und danach führte Urszula uns durch das nächtliche Krakau zur Wawel-Burg. Es war ein stimmungsvoller Abend, der uns mit vielen neuen Eindrücken ins Hotel zurückkehren ließ.

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Der nächste Tag galt bis zur Zeit unseres Rückflugs nach München voll und ganz der Buchmesse. Zunächst wurde ein weiteres, am Donnerstag ausgefallenes Interview nachgeholt, dann kräftig signiert und noch ein weiteres Interview gegeben. Es war irrsinnig viel los und wir steckten mittendrin. Dadurch kamen wir natürlich um einiges später fort als geplant, doch schien uns der Zeitpuffer ausreichend für ein spätes Mittagessen mit Frau Draga, deren Lebensgefährten und Urszula. Urszula hatte dafür ebenfalls eines ihrer Lieblingslokale in Krakau ausgesucht und wir wurden auch hier nicht enttäuscht. Das Essen schmeckte, die Stimmung war ausgezeichnet und es entspann sich eine angeregte Unterhaltung, die zu unser aller Bedauern viel zu bald beendet werden musste, damit wir noch rechtzeitig zum Flughafen kamen. Hier setzte Urszula ihre Ortskenntnisse ein, um den Staus auf den Hauptstraßen zu entgehen und so schafften wir es gerade noch rechtzeitig zum Einchecken.

Vorher verabschiedeten wir uns von Frau Draga und Urszula und bedauerten, nicht länger in dieser wunderschönen Stadt bleiben zu können. Wir nahmen uns aber fest vor, in absehbarer Zeit nach Krakau zu fahren und uns all das anzusehen, was uns diesmal entgangen ist.

Der Flug begann mit einer kleinen Verspätung, die allerdings bis München wieder aufgeholt war. Dort wartete ein Taxi aus unserem Wohnort auf uns und kurz darauf war die Reise zur Buchmesse nach Krakau für uns vorbei.



Wir bedanken uns bei Frau Draga sehr herzlich für die Einladung und bei Urszula für die liebevolle Betreuung.


Dziekuje und do widzenia!


Iny und Elmar Lorentz




Prag und die Rache der Wanderhure

Nachdem wir bereits 2009 die Dreharbeiten für 'Die Wanderhure' nach Fót bei Budapest besuchen durften, freuten wir uns sehr, dass wir auch zu den Dreharbeiten für 'Die Rache der Wanderhure' eingeladen worden waren. Diesmal ging es nach Prag, der goldenen Stadt an der Moldau.

Am Morgen des 20.09.2011 beluden wir frohgemut unseren Dicken, holten unsere Agenturlektorin Ingeborg ab und fuhren gemeinsam zum S-Bahnhof. Dort stieß mit unserer Filmagentin Isabel das vierte Mitglied unserer kleinen Reisegruppe zu uns. Kurz darauf rollte unser braver Dicker auf der Autobahn Richtung Prag.

Isabel hatte uns im Vorfeld telefonisch unser Hotel durchgegeben, und wir unsere Fahrtroute entsprechend geplant. Unterwegs fragte Elmar, ob es beim Hotel 'Andel' geblieben wäre. Isabel bejahte, nannte aber eine andere Adresse als die, die wir aus dem Internet geholt hatten. Da es sich dabei aber um eine Parallelstraße der anderen handelte, dachten wir nicht weiter darüber nach, sondern glaubten, es gäbe bei dem Hotel eben zwei verschiedene Eingänge.

Unsere Fahrt ging ohne Probleme von statten und so standen wir schliesslich vor dem Hotel 'Andel'. Isabel rauschte in die Rezeption, um uns anzumelden, sah sich dann aber einem völlig verwirrten Hotelangestellten gegenüber, der weder etwas von dem Team von TV60 noch von einer Reservierung für uns wusste. Er erwies sich aber hilfreich und erklärte, dass es um die Ecke noch ein Andel's-Hotel gäbe. Wir bedankten uns bei dem Mann und setzten unsere Fahrt fort. Um zum Andel's zu kommen, mussten wir nach rechts abbiegen. Zuerst kamen mehrere Einbahnstraßen in die verkehrte Richtung, dann aber der ersehnte Abbiegerpfeil. Elmar ordnete sich rechts ein und fand sich ohne Vorwarnung in der Tiefgaragenzufahrt eines großen Einkaufszentrums wieder.

Nun sind Tiefgaragen nicht unbedingt die Freunde unseres Dicken und wir schauen immer genau auf die Höhenangaben. So etwas gab es hier aber nicht. Daher stieg Iny aus und kontrollierte, ob wir unter der Prüfstange durch passten. Es ging um Fingerbreite. In der Tiefgarage suchte Elmar erst einmal vergebens nach einem Kassenautomaten, um bezahlen zu können. Ein freundlicher Angestellter erklärte ihm schließlich, dass die Tiefgarage kostenlos wäre und er nur den Einfahrtbeleg vor den Scanner bei der Ausfahrt halten müsste.



Dirk Salomon, Iny, Elmar, Isabel, Thomas Wesskamp


Dies tat er, und nun erwies sich der Abstecher in die Tiefgarage als nützlich, denn danach standen wir in der richtigen Strasse und mussten nur noch einmal abbiegen, um zum Andel's zu kommen. Dank der genauen Informationen, die Isabel erhalten hatte, konnten wir den Dicken in der Tiefgarage des Hotels abstellen und einchecken. Noch während wir dabei waren, tauchten die Drehbuchautoren Thomas Weßkamp und Dirk Salomon auf, die mit dem Zug nach Prag gekommen waren. Es gab ein großes Hallo und wir verabredeten, uns nach dem Beziehen der Zimmer in der Hotelbar zu treffen.

Dies geschah auch. Noch während wir in fröhlicher Runde zusammensassen, erschien Manfred Brey, der Unit Production Manager des Filmteams, und gab uns einen ersten Bericht über die Dreharbeiten.

Nach dem Abendessen in einem vom Filmteam empfohlenen Restaurant kehrten wir in die Hotelbar des Andel's zurück. Inzwischen war auch der Produzent Andreas Bareiß angekommen und gab uns einen weiteren Einblick in das Filmprojekt ‚Rache der Wanderhure‘. Zuerst lobte er die professionelle Arbeit des tschechischen Filmteams, das sich bereits bei etlichen großen Filmen wie Ramadama, Amadeus, Mission Impossible und anderen ausgezeichnet hat. Dann aber kam er auf die Verfilmung unseres Romans zu sprechen. Uns blieb vor Staunen fast die Luft weg, als er so ganz locker meinte, das 170 Filmschaffende an der Produktion der ‚Rache der Wanderhure‘ beteiligt wären, von Maskenbildnern angefangen über Garderobieren, Technikern und anderen bis hin zu 25 Leuten, die sich nur um die Pferde kümmern, die für diesen Film gebraucht werden.

Als weitere Highlights nannte er die verschiedenen Schauplätze, an denen gedreht wurde und noch wird. Einen der imposantesten, so sagte er, würden wir am nächsten Tag kennenlernen. Um unsere Neugier noch mehr anzuheizen, zeigte er uns einige Standbilder, die während des Drehs aufgenommen worden waren. Er war sehr stolz darauf und wir sehr beeindruckt. Umso mehr freuten wir uns darauf, Alexandra Neldel und die anderen auch live zu erleben.

Diese Gelegenheit kam für uns am nächsten Morgen. Um 09:15 Uhr hieß es für uns, die 'Goldene Caravelle' zu suchen, die uns zum Drehort bringen sollte. So stand es in unserem Plan. Zur genaueren Kennzeichnung trug dieser VW-Bus auch ein Schild mit 'Filmteam Kastellanin'. Auf Grund der knappen, zur Verfügung stehenden Zeit hatten wir diesmal darauf verzichtet, mit dem Wohnwagen anzureisen, sondern uns mit Ingeborg, Isabel, und unseren beiden Grimme-Preisträgern Thomas Wesskamp und Dirk Salomon zusammen in Hotel des Filmteams einquartiert. Der Fahrer der Gold-Caravelle brachte uns sechs in einer guten Stunde in eine wildromantische Gegend, die bei einigen Mitreisenden Urlaubsgefühle hervorrief. Ziel war eine große, stattliche Burg, bei deren Anblick Dirk ausrief, dagegen wäre das sonst so imposante Schloss seines Bekannten, Baron Hubertus von Breidbach-Bürresheim, ein besseres Reihenhaus. Wir fanden, dass Andreas Bareiss uns am Vorabend wirklich nicht zu viel versprochen hatte. Dieser Schauplatz war einfach überwältigend.

So gab es neben wuchtigen Gebäuden und Türmen auch Burghof, in dem auch die wichtigste Stelle eines Sets aufgebaut war, nämlich das Cateringzelt. Auch Schauspieler müssen essen und trinken, von dem Aufnahmeteam ganz zu schweigen. Wir stärkten uns erst einmal mit Kaffee und beobachteten dabei die Komparsen, die auf ihren Einsatz warteten. Dabei fiel uns bereits jetzt die lockere, angenehme Stimmung auf, die hier am Set herrschte. Dieser Eindruck verstärkte sich mit jeder Minute mehr. Die Leute, die hier arbeiteten, waren Profis im wahrsten Sinne des Wortes.

Plötzlich tauchte Alexandra Neldel so schön, fröhlich und munter wie immer auf, um uns zu begrüßen. Wir freuten uns riesig und drückten ihr die Daumen für die restlichen Drehtage. Hatte vor zwei Jahren bei unserem Besuch in Fót bei Budapest Nadja Becker alias Hiltrud von ihren Erfahrungen mit den Ziegen berichtet, erzählte Alexandra jetzt von Erlebnissen mit ihrem Pferd. Sie brachte es so witzig vor, dass wir uns vor Lachen bogen.

Nachdem Alexandra wieder zum Dreh zurückkehren musste, zupfte Ingeborg Elmar am Ärmel und zeigte auf eine andere Schauspielerin. 'Sieh dir diese Frau an, die hat ein so wunderschönes Gesicht!'



Isabel hörte es ebenfalls und raunte uns zu, dies wäre Esther Schweins. Wir anderen hatten sie in ihrem Gewand nicht erkannt. Dies tat unserer Freude, Esther Schweins kennenzulernen, keinen Abdruck. Später trafen wir dann auch Götz Otto, Bert Tischendorf und Daniel Roesner. Für uns war es, als wären wir nach kurzer Abwesenheit in die eigene Familie zurückgekehrt. Es war ergreifend und schön. Die Stimmung hier am Set war noch besser als vor zwei Jahren in Fót bei Budapest, und schon damals hatten wir geglaubt, dass sie nicht mehr getoppt werden könnte.

Der Aussage eines uns bekannten Drehbuchautoren zufolge sind Besuche von Drehbuchautoren und Autoren der Vorlageromane am Set so beliebt wie Pest und Cholera. Auch uns hatte man nicht nur zum Zuschauen eingeladen. Es war nämlich der 'PRESS DAY', an dem die Presse über das Projekt informiert wird. Daher mussten die Schauspielerinnen und Schauspieler, aber auch die Drehbuchautoren und wir bei einigen Interviews Rede und Antwort stehen.

Zur Belohnung konnten wir dann beim Dreh einer Szene zusehen und Alexandra Neldel, Esther Schweins und Götz Otto in voller Aktion erleben. Nach einem letzten Kaffee wartete die 'Goldene Caravelle' darauf, uns wieder nach Prag zurückzubringen. Als wir dort ankamen, war es bereits Zeit zum Abendessen.

Diesmal führten uns Andreas Bareiss und Manfred Brey in einen typisch tschechischen Biergarten, in dem es noch recht lustig wurde. Daran war die hübsche Kellnerin nicht ganz unschuldig. Es gab zwar Speisekarten in deutsch und englisch, nur war die junge Frau beider Sprachen nicht mächtig. Daher wurde das Bestellen zu einer interessanten Lotterie. Auf den, der sich nicht auf ein Schnitzel beschränkte, wartete teilweise eine interessante Überraschung. Hauptleidtragende war Iny, die sich als Nachtisch eine gebackene Birne in Rotweinsauce ausgesucht hatte. Beim ersten Mal wurden ihr Quarkküchlein aufgetischt, die dann Manfred Brey übernahm, und beim zweiten Mal Apfelstrudel. Da es insgesamt drei verschiedene Desserts gab, riet Dirk ihr, es noch einmal zu versuchen. Sie war jedoch weiteren Experimenten abgeneigt und gab sich mit dem Apfelstrudel zufrieden.

Als wir zu später Stunde ins Hotel zurückkehrten, trafen wir noch auf den Regisseur Hansjörg Thurn mit seinem Kameramann und dem Cutter. Diese hatten sich noch rasch die Aufnahmen des Tages angesehen und erklärten sehr zufrieden, dass sie toll geworden wären.

Vorher hatte Elmar auf dem Heimweg noch eine Buchhandlung entdeckt und beschlossen, am nächsten Morgen hinzugehen. Zunächst aber gingen wir ins Bett, während Isabel und unsere Drehbuchautoren sich noch in die Bar setzten.

Nachdem wir am Morgen wieder auf den Beinen waren, frühstückten wir zunächst gemütlich. Da kam auf einmal Isabel ganz aufgeregt auf uns zu und rief: 'Wisst ihr es schon? Alexandra Neldel ist für den Deutschen Fernsehpreis als beste Schauspielerin für die Rolle der Marie nominiert worden!“ Ich habe es gestern Nacht noch erfahren, wollte euch aber dann doch nicht mehr wecken!'

Unsere Überraschung, aber auch Freude war riesengroß und wir fragten Isabel förmlich Löcher in den Bauch. Am meisten aber bedauerten wir, dass wir Alexandra nicht persönlich zu dieser Nominierung gratulieren konnten. Sie war nämlich schon zum Set gefahren worden.

Durch diese Nachricht hätte Elmar fast die Buchhandlung vergessen. Er sauste aber doch noch los und kehrte kurz darauf mit der tschechischen Ausgabe unseres Nicola-Marni-Thrillers 'Die Tallinn-Verschwörung' und passend zu unserem Set-Besuch mit 'Die Kastellanin' auf Tschechisch auf.

Danach galt es Abschied zu nehmen. Thomas Wesskamp und Dirk Salomon hatten noch eine Besprechung für ein anderes Projekt. Ingeborg, Isabel und wir stiegen nach einem letzten Händeschütteln in unseren Dicken und steuerten ihn Richtung Heimat.

Unterwegs legten wir auf dem Schloss des bereits erwähnten Barons Hubertus von Breidbach-Bürresheim, der auch ein guter Bekannter von Isabel ist, einen Zwischenstopp ein, assen dort zu Mittag und konnten uns mit eigenen Augen überzeugen, dass Dirk Salomon arg übertrieben hatte. So viel grösser als dieses Schloss war die Burg in Tschechien auch wieder nicht.

Am Nachmittag erreichten wir schließlich München, luden Isabel an der nächsten U-Bahn-Station aus und brachten Ingeborg nach Hause. Kurz darauf war auch für uns die Fahrt zu Ende. Hinter uns lagen aufregende Stunden mit einer wieder überragenden Alexandra Neldel, einer schönen, eleganten Esther Schweins, gut aussehenden Herren und interessanten Gesprächen, kurz und gut ein Highlight, wie man es sich besser nicht wünschen kann.

Wir bedanken uns sehr herzlich bei Andreas Bareiss und SAT1, dass sie uns dieses Erlebnis ermöglicht haben! Es war einfach großartig. Jetzt freuen wir uns noch mehr auf den Film!

Iny und Elmar Lorentz



Zypern

Immer wieder liegen Zeitungen und Zeitschriften Werbeprospekte von Reiseunternehmen bei. Meistens wirft man einen kurzen Blick drauf und legt sie dann zum Altpapier. Im letzten Herbst aber flatterte ein Prospekt ins Haus, der uns zum Nachdenken brachte, denn er betraf Zypern. Zwar ist diese Insel nicht die Gegend, in der einer unserer nächsten Romane spielen soll, aber wir hatten bereits überlegt, sie einmal zu einem Nebenschauplatz zu machen. Als dann auch noch unsere Freundin und Lektorin Ingeborg meinte, dass sie gerne dorthin fahren würde, buchten wir diese Reise.

In solchen Prospekten wird viel versprochen, aber so geschickt, dass einem die eigene Fantasie mehr vorgaukelt, als schliesslich eintritt. Als wir diese Reise antraten, zeigte es sich rasch, weshalb wir im Allgemeinen den Wohnwagen und die Freiheit, die dieser uns bietet, Hotelaufenthalten vorziehen. Dieser schien von Anfang an unter einem schlechten Stern zu stehen.

Obwohl die Maschine aus Larnaka überpünktlich in München ankam, wurde sie erst mit großer Verspätung wieder in die Luft gelassen. Das war doppelt ärgerlich, weil sie ein Dreieck ausflog und erst über Frankfurt/Main nach Larnaka zurückkehrte. Die Verspätung von München war nicht mehr einzuholen und wir erreichten unseren Zielflughafen erst zu nächtlicher Stunde. Von dort hatten wir noch einen Bustransfer von anderthalb Stunden vor uns.

Als Erstes erfuhren wir, dass wir nicht in dem Hotel untergebracht würden, mit dem im Prospekt geworben worden war. Im Gegensatz zu einigen anderen Reisenden hatten wir den kleingedruckten Zusatz "oder gleichwertig" auf den Buchungsunterlagen gelesen und waren nicht überrascht. Als Nächstes mussten wir ebenso wie die anderen, die Voll- oder Halbpension gebucht hatten, wegen der späten Ankunftszeit auf das Abendessen verzichten. Wir erhielten stattdessen dafür einen Gutschein für ein Mittagessen. Jene, die Vollpension hatten, bekamen den Rat, diesen Gutschein für ein Lunchpaket am Abreisetag zu verwenden, da der Bustransfer um 05:00 Uhr Ortszeit durchgeführt werden würde.

Der nächste Morgen sah daher etliche hungrige Leute, die sich auf das Frühstücksbüffet stürzten. Dieses sah auf den ersten Blick reichhaltig aus, aber viele Platten waren bereits leer, andere dagegen fast unberührt. Wir merkten rasch, dass man genau achtgeben sollte, was man sich auf den Teller lud. Nur wenig hielt nämlich das, was es auf den ersten Blick versprach.

Wir ließen uns die Laune durch das Frühstück nicht verdrießen, sondern machten uns auf die erste Erkundungstour nach Paphos. Die Fahrt war sehr interessant und wir kehrten voller Eindrücke ins Hotel zurück. Dort wollten wir den Tag beim Abendessen noch einmal Revue passieren lassen und unsere Pläne für den nächsten Tag besprechen. Als wir in Richtung Speisesaal aufbrachen, wunderten wir uns über die lange Schlange vor der Tür und stellten fest, dass die Gäste in langen Abständen nur einzeln oder maximal mit ihrer Familie in den Saal gelassen wurden. Wartezeiten von mehr als einer halben Stunde waren in den nächsten Tagen eher die Regel als die Ausnahme, und wenn man glücklich die Tür durchschritten und einen Tisch zugewiesen bekommen hatte, musste man den Teller festhalten, da das Personal jede Pause beim Kauen benützte, um sofort abzuräumen. Die Gäste sollten ihren Platz wohl schnell wieder für die Wartenden freimachen.

An eine gemütliche Unterhaltung war unter diesen Umständen nicht zu denken. Auch wir gaben nach kurzer Zeit auf und zogen uns in die Bar zurück. Ingeborg wollte einen Irish Coffee haben und sah fassungslos zu, wie der Barkeeper erst einmal die Getränkekarte studierte, dann eine der kleinen Kaffeetassen nahm, diese mit Kaffee aus dem Automaten füllte und einen Schuss Whisky hinzugab. Danach starrte der Mann verwundert auf die Tasse, weil kein Platz mehr für die auf der Getränkekarte angegebene Sahne blieb, brachte das Getränk aber so, wie es war, an unseren Tisch. Einen solchen Irish Coffee hatte Ingeborg bis dato noch nicht erhalten. Sie sah uns verdattert an und meinte: "Ja, sind wir denn hier Laborratten, mit denen die hier ihr frisch eingestelltes Personal anlernen?"

Ähnliche Sprüche kamen ihr, aber auch uns in den folgenden Tagen öfter über die Lippen. Der Service im Hotel war zum Weinen und die Plätze im Restaurant und im Frühstücksraum des Hotels einfach zu wenig für die anwesenden Gäste. Da das Frühstücksbüffet nur selten und unzureichend aufgefüllt wurde, bekamen diejenigen, die später frühstücken wollten, nur die Reste und damit auch das, was die früher gekommenen aus guten Gründen verschmäht hatten.

Wir waren stets froh, wenn wir das Hotel verlassen und entweder in einen Bus oder in ein Taxi steigen konnten, um unsere Tagestouren zu unternehmen. Dabei lernten wir Zypern von seiner besseren Seite kennen. Wir suchten alte Kirchen, Klöster und Festungen auf, fuhren durch die Landschaft, um diese auf uns wirken zu lassen, und aßen in verschiedensten Restaurants zu Mittag und – trotz Halbpension – bald auch zu Abend. Es hat jedes Mal ausgezeichnet geschmeckt, die Kellnerinnen und Ober waren freundlich und wir hatten genug Zeit für unsere Resümees und Planungen. Jene Romanidee, die uns bereits seit einigen Jahren im Kopf herum ging, nahm immer mehr Gestalt an und Elmar durfte abends im Zimmer Block und Stift zur Hand nehmen, um alles aufzuschreiben.

Nach dem Erlebnis am ersten Abend mieden wir auch die Hotelbar. Ihren geliebten Irish Coffee erhielt Ingeborg trotzdem noch mehrmals, aber eben nicht im Hotel. Wenn wir nach einem guten Abendessen dorthin zurückkehrten und die Schlange vor dem Speisesaal sahen, waren wir froh, dass wir uns ausserhalb ernähren konnten. Anderen war dies nicht möglich, denn sie hatten sich durch die von der Reiseleitung erteilte Information, jetzt im Winter wären die meisten Restaurants in der Umgebung geschlossen und die Ergänzung ihrer gebuchten Reise durch Vollpension oder 'all inclusive' wäre daher ratsam, die Versorgung im Hotel gebucht. Da wir die meiste Zeit unterwegs sein wollten, waren wir nicht auf dieses Angebot eingegangen. Nur beim Frühstück sahen wir uns gezwungen, nach irgendetwas Geniessbarem zu suchen.

Für uns war es wichtig, Informationen zu sammeln, ausgesuchte Orte anzusehen und dabei auch ein wenig Frühlingssonne zu tanken. Essen konnten wir zur Genüge in den angeblich geschlossenen Restaurants, die städtischen Busse und die Überlandbusse fuhren keine fünfhundert Meter von unserem Hotel ab und so wurde dieser Teil der Reise für uns ein voller Erfolg.

Den letzten Tag konnten wir schliesslich in aller Ruhe verbringen und uns noch einmal in Paphos umsehen. Nach einem ausgezeichneten Abendessen kehrten wir ins Hotel zurück und begannen unsere Koffer zu packen. Als nach einer viel zu kurzen Nacht der Wecker schellte, machten wir uns mit einem zwiespältigen Gefühl reisefertig. Zum einen waren wir froh, das Hotel verlassen zu können, bedauerten aber gleichzeitig, dass wir nicht länger auf der Insel bleiben konnten.

Beim Auschecken aus dem Hotel fragte eine Dame nach dem versprochenen Lunchpaket und erhielt die freundliche Antwort, sobald das Küchenpersonal um sieben Uhr die Arbeit aufnehmen würde, würde es uns zusammengestellt. Auf den empörten Ruf etlicher Gäste hin, dass der Bus ja bereits um fünf Uhr losfahren würde, versprach ein Angestellter des Reiseunternehmens, das uns nach Zypern gebracht hatte, am Flughafen in Larnaka würde ein Kollege auf uns warten, beim Einchecken helfen und uns vor allem ein Frühstück besorgen.

Unser Glaube daran war gering und unser Gefühl trog nicht, denn am Flughafen angekommen, war weit und breit kein "Kollege" zu sehen. Während die übrigen Mitreisenden sich mit verärgerten Mienen in die schier endlose Schlange einreihten, die auf die Abfertigung warteten, wurde Iny wegen ihrer Gehbehinderung von einer Aufsichtsbeamtin zu einem freien Schalter geschickt. Wir nahmen die Chance wahr, checkten ein und saßen kurz darauf in einem Cafe des Flughafens vor je einem Latte macchiato und einen Sandwich.

Die Maschine nach München stand pünktlich bereit und hob ohne Verspätung ab. Wir erreichten unser Ziel noch vor der angegebenen Zeit und sahen uns statt mit angenehmen zwanzig Grad wie auf Zypern mit zweieinhalb Grad konfrontiert. Zu Hause warteten dann über einhundert Mails auf uns. Selbst die Beantwortung der Wichtigsten wird etwas dauern.

Auf jeden Fall freuen wir uns, die nächste Reise wieder mit unserem Dicken und angehängtem Wohnwagen antreten zu können. Zypern wird uns trotzdem durch seine freundlichen Menschen, seine Landschaft und seine guten Restaurants in Erinnerung bleiben.

Iny und Elmar Lorentz



Die grüne Insel

Durch den Pressetermin für Sat1 in Hamburg hatte der Beginn unserer Irlandreise einen anderen Verlauf als geplant genommen. Nachdem wir mit unseren Interviews fertig waren, fuhren wir zum Flughafen Fuhlsbüttel. Dort angekommen galt es erst einmal, den nagenden Hunger durch ein arg spätes Mittagessen zu besänftigen, und dann auf unseren Flieger zu warten. Irgendwie hatte dieser Gegenwind, denn er erreichte Hamburg erst mit einiger Verspätung und wir stiegen mit gewisser Sorge an Bord. Schließlich hatten wir die Reise bei einem exklusiven Reiseunternehmen gebucht und sollten in Dublin zu der Reisegruppe stoßen, die gleich uns diese Fahrt unternehmen wollte. Zwar hatte man uns versprochen, die anderen würden am Flughafen auf uns warten. Doch nun kamen wir über eine Stunde später an. Allerdings war auch das Flugzeug unserer Mitreisenden ebenfalls nicht pünktlich und so mussten diese nicht lange auf uns warten. Das Abendessen musste aber trotzdem verschoben werden. Der guten Laune und unserer Erwartungshalten tat dies jedoch keinen Abbruch und so freuten sich alle auf den Morgen, an dem wir unsere Tour über die Insel der Mönche und Heiligen beginnen würden.

Begleitet wurden wir durch Pfarrer Matthias Bertram, der von unserer irisch-deutschen Reiseleiterin Doris sofort in Father Matthew umgetauft wurde, und eben von Doris selbst. Diese ist seit über dreißig Jahren in Irland ansässig und erwies sich als ein wahrer Quell des Wissens. Ebenso wie Father Matthew war sie für all unsere Fragen offen und half uns nach Kräften bei der Suche nach Büchern und anderem Informationsmaterial.

Es galt in den nächsten Tagen, ein straffes Programm durchzuziehen. Die Besichtigungen in Dublin, Glendalough, Kilkenny, Rock of Cashel, Adare und anderen Orten reihten sich wie Perlen an einer Kette auf, unterbrochen nur von den nötigen Nachtruhen und den Mahlzeiten. Das Wetter der Insel, als sehr launisch verschrien, war auf unserer Seite. Bei gleißendem Sonnenschein – wie Doris es immer wieder nannte – vergingen die ersten Tage und von dem vorhergesagten Regenwetter war nichts zu sehen.

Es war für Father Matthew und Doris nicht gerade leicht, den Vorstellungen der einzelnen Teilnehmer gerecht zu werden. Der eine suchte spirituelle Erlebnisse beim Besuch heiliger Stätten und Klöster, andere ein touristisches Programm, während wir vor allem an der Vergangenheit der grünen Insel interessiert waren. Unseren beiden Reiseleitern gelang es jedoch ausgezeichnet, jedem von uns gerecht zu werden. Uralte Ringfestungen, ehrwürdige Kathedralen und von Mythen umwobene Klöster wurden ebenso ausgiebig besichtigt wie die Katen armer irischer Pächter und die Herrensitze der Lords aus England.

Einer der Höhepunkte dieser Reise war der Besuch des National Folk Theatre of Ireland Siamsa Tire in Tralee. Zur Aufführung kam Clann Lir, die Geschichte von den Kindern von Lir, die in irischer Sprache gesungen wurde. Auch sonst wurde die Kultur nicht vernachlässigt. Wir hatten in Dublin immerhin das berühmte Book of Kells und einige andere Texte aus alten Zeiten besichtigt, und besuchten unterwegs das Grab des irischen Literaturnobelpreisträgers William Butler Yeates in Drumcliff.

Die Macht der Natur wurde uns bei den Cliffs of Moher und bei dem Burren genannten Landstrich offenbart. Die Burren sind ein Symbol für die unersättliche Gier des Menschen, denn die Eichen, die dort einmal wuchsen, wanderten als Holzkohle in die englischen Schmelzöfen. In dem danach schutzlos der Erosion ausgeliefertem Landstrich wurde der Mutterboden im Verlauf weniger Jahrzehnte vom Regen weggeschwemmt und übrig blieb eine Wüste aus Stein. Nur in den Felsspalten hält sich noch ein wenig Erde mit spärlichem Bewuchs, der nicht einmal ausreicht, den verwilderten Ziegen, die dort leben, genug Nahrung zu bieten. Andere Teile der Insel sind zum Glück fruchtbarer und so trägt Irland den Beinamen "Die grüne Insel" zurecht.

Unser Weg führte uns ebenso an schroffen Küsten und sandigen Stränden vorbei wie an 700 bis 900 Meter aufragenden Bergen, sanfteren Hügeln und brettebenen Landstrichen. Wir sahen die Rundtürme uralter Klöster und lauschten dem Wind, der von alten Zeiten erzählte, vom Leben der Menschen in Armut und Not ebenso wie von Krieg und Unterdrückung. Wir kamen auch nach Nordirland, jenen Teil der Insel, dessen Entwicklung seit Jahrhunderten anders verlief als der Rest und sahen die Statuen von Göttern, die dort angebetet wurden, lange bevor die Kelten auf die Insel kamen. Auch besuchten wir den Croagh Patrick, Irlands heiligen Berg. Unsere Wanderung führte uns bis zum Beginn des eigentlichen Pilgerpfades, der auf uns den Eindruck eines ausgetrockneten, steinigen Bachbetts machte. Wie Doris erzählte, sollen gläubige Iren den mehrstündigen Anstieg barfuß in Angriff nehmen. Einer unserer Mitreisenden hatte den Croagh Patrick vor mehr als einem Jahrzehnt bestiegen, in Schuhen, wie er beteuerte, und er sagte, er würde es kein zweites Mal mehr machen. Um das zu schaffen, muss man wahrscheinlich als Ire geboren sein.





Für uns war die Reise interessant und lehrreich. Elmars Koffer füllte sich mit Büchern und Informationsmaterial. Wir notierten Buchempfehlungen und eigene Eindrücke und unsere kleine Kamera kam kaum zur Ruhe. Drei der aufgenommenen Bilder werden diesen Bericht begleiten. Da ist zum einen die berühmte Statue von Molly Malone in Dublin, eine Landschaftsaufnahme in den Wicklow Mountains, sowie eines der großen Hochkreuze und der Rundturm von Monasterboice. Dort endete auch unsere Besichtigungsreise durch Irland, und so als wäre der Himmel der Insel traurig, uns scheiden zu sehen, erlebten wir dort den irischen Regen, den wir während unserer Rundfahrt nicht wirklich vermisst hatten.

Am nächsten Morgen trennten wir uns von der Reisegruppe, die gegen Mittag den Heimflug nach Deutschland antrat, und gingen unserer eigenen Wege. Auf diesen besorgten wir uns noch einige Informationen und vervollständigten unser Reisetagebuch, bevor auch für uns der Abschied von der grünen Insel kam. Spät in der Nacht erreichten wir im Direktflug München und kehrten nach Hause zurück. Von einer Mitreisenden erfuhren wir später, wie viel Glück wir gehabt hätten. Die meisten Mitglieder der Reisegruppe mussten nämlich in Frankfurt umsteigen und waren dort in ein Chaos geraten, durch das sie beinahe ihre Anschlussflüge verpasst hätten.

Hinter uns liegen lehrreiche Tage mit einer Fülle von Eindrücken, die nun geordnet werden müssen. Unser Dank gilt dem Bayrischen Pilgerbüro, das uns die individuelle An- und Abreise ermöglicht hat, ebenso Pfarrer Matthias Bertram, von dem wir sehr viel über die Geschichte der Kirche in Irland erfahren konnten, und natürlich Doris, die uns ihre Liebe zu Irland hat spüren lassen und die selbst schwierigste Fragen geduldig beantwortete.

Iny und Elmar Lorentz



Warschau im Mai

Bei Übersetzungen in eine fremde Sprache bekommt man als Autor im Allgemeinen eine Kopie des Lizenzvertrags vorgelegt und erhält später irgendwann ein paar Belegexemplare. Persönliche Kontakte zu den ausländischen Verlagen sind hingegen eher selten. Daher haben wir uns 2008 sehr gefreut, als wir auf Buchmesse in Frankfurt mit Frau Urszula Pawlik eine sehr engagierte Dame aus Polen kennenlernen durften, die als freie Mitarbeiterin des Sonia-Draga-Verlags maßgeblich an der polnischen Ausgabe der Wanderhure beteiligt war.

Im Frühjahr 2009 lud Frau Pawlik uns im Namen der Verlegerin Sonia Draga zur Buchmesse nach Warschau ein. Da unsere für 2009 bereits feststehende Lesereise genau in die Zeit der Buchmesse fiel, mussten wir bedauerlicherweise absagen.

Heuer wurde bei unseren Planungen von Anfang an der Termin der Warschauer Buchmesse berücksichtigt, so dass wir uns am Donnerstag, den 13.05.2010 in Richtung Flughafen auf den Weg machen konnten. Mit der für München üblichen Verspätung hob der Silbervogel ab und brachte uns nach Polen. Wir kamen dort gut an, holten unser Gepäck und wurden am Ausgang bereits von Frau Pawlik und Frau Dragas persönlicher Assistentin Barbara empfangen. Die Verspätung in München rächte sich jetzt allerdings, denn auf der Fahrt zum Hotel gerieten wir voll in die Warschauer Rushhour. In dieser Hinsicht hat Warschau es zur fünft staureichsten Metropole in Europa geschafft. Die Planungen für den Spätnachmittag und Abend mussten daher rasch revidiert werden. So wurde das Abendessen durch einen schnellen Kaffee an der Hotelbar ersetzt, dann ging es bereits strammen Schrittes zur Eröffnungsfeier der Buchmesse mit anschließendem Cocktailempfang. Während im Festsaal noch Reden gehalten wurden, besorgte Frau Pawlik bereits die Getränke und machte auch das stattliche Büffet ausfindig, das uns für das entgangene Abendessen mehr als entschädigte.

Frau Draga, die Verlegerin, war noch auf einer Besprechung, verließ diese aber für kurze Zeit, um uns zu begrüßen. Für uns hieß es allerdings, bald ins Hotel zurückzukehren, da wir am nächsten Morgen um 05:30 Uhr zum ersten Fernsehinterview in den Kulturnachrichten des Senders PolSat abgeholt werden sollten. Kurz vor dem Schlafengehen wurde die Abholzeit telefonisch zwar auf 05:45 Uhr revidiert, aber das war keine wirkliche Erleichterung.

Daher sah uns der Freitagmorgen zu noch nachtschlafender Zeit aus unseren Betten kriechen. Nachdem wir uns die Sandkörner aus den Augen gewaschen und uns angezogen hatten, fuhr Frau Dragas Assistentin Barbara Frau Pawlik und uns auf die andere Weichselseite zum Sendegebäude. Nach der Maske und einem Schluck Wasser begann das Interview. Wie auch bei den weiteren Interviews dolmetschte Frau Pawlik für uns, so dass wir uns gut aus der Affäre ziehen konnten.

Anschließend ging es durch halb Warschau mit zunehmendem Verkehr wieder zurück ins Hotel und damit zum Frühstück. An dem reichhaltigen Büffet konnten wir das frühe Aufstehen vergessen und Kraft für die nächsten Stunden tanken.

Damit wir nicht nur den Warschauer Kulturpalast, in dem die Buchmesse stattfand, und verschiedene Fernsehstudios kennenlernen sollten, hatte Frau Draga eine Stadtbesichtigung für uns arrangiert. Zusammen mit Frau Pawlik und einer Fremdenführerin machten auf den Weg in die historische Altstadt, die während des 2. Weltkriegs vollkommen zerstört und deren Fassaden später detailgetreu anhand der Stadtporträts des Malers Canaletto wieder aufgebaut worden waren. Der Unterschied zwischen dem überladenen Prunk des im stalinistischen Zuckerbäckerstil errichteten Kulturpalastes und der Altstadt, vor allem aber dem wiedererrichteten Königsschloss war enorm. Die Führung selbst war sehr interessant und stand lange Zeit wettermäßig unter einem guten Stern. Im Lazenki-Park verließ uns jedoch unser Glück, denn die Schleusen des Himmels wurden geöffnet, als wir uns gerade im Zentrum des Parks befanden und durch den Regen den Ausgang gewinnen mussten.

Etwas feucht erreichten wir schließlich wieder den Kulturpalast. Dort gab es am Sonia-Draga-Stand einen Tee zum Aufwärmen, und dann ging es ging es quer durch die Stadt zu einem Internet-TV-Interview. Nachdem auch dieses gut über die Bühne gegangen war, suchte Barbara ein typisch polnisches Lokal, in dem wir Mittagessen sollten. Im dichten Warschauer Verkehr brauchte sie eine Weile, so dass wir schließlich mit über einer halben Stunde Verspätung zu in den Kulturpalast zurückkamen, wo wir längst mit dem Signieren hätten beginnen sollen.

Für uns war es überraschend, aber auch sehr erfreulich, wie viele Leute sich eine Signatur von uns wünschten. Unsere unermüdliche Betreuerin Frau Pawlik hatte ordentlich zu tun, uns polnischen Vor- und teilweise auch Familiennamen aufzuschreiben, damit wir diese auch richtig in die Bücher schreiben konnten. Zwischendurch gab es ein Interview am Stand, und dann ging es weiter mit Signieren. Wir hatten zwar einen Stapel Autogrammkarten mitgenommen, aber der schmolz wie Schnee in der Sonne, und als der Abend hereinbrach, waren nur noch wenige Karten vorhanden.

Nach Feierabend führte Frau Pawlik uns in ein Restaurant mit ukrainischer Küche, in dem wir zu Abend aßen und die Zeit mit einer angeregten Unterhaltung verbrachten, dann ging es ins Hotel zurück und kurz darauf ins Bett.

Samstagmorgen hatten wir etwas mehr Zeit zum Ausschlafen und konnten uns beim Frühstück noch einmal ausgiebig mit Frau Pawlik unterhalten. Anschließend ging es erneut zum Kulturpalast. Es standen die letzten Interviews an, dazu galt es, noch einmal kräftig zu signieren. Die Hallen wurden immer voller und die Damen am Sonia-Draga-Stand hatten alle Hände voll zu tun, denn anders als in Frankfurt oder Leipzig konnten nämlich auf dieser Messe Bücher gekauft werden. Es war erstaunlich, wie viele Wanderhuren, Töchter der Wanderhure und Feuerbräute an die Frau oder den Mann gebracht wurden, und wir erfüllten gerne die Autogrammwünsche der Käufer.

So ging es mehrere Stunden lang. Sonia Draga blickte zuletzt immer nervöser auf ihre Uhr, denn sie wollte uns nicht hungrig nach Hause fliegen lassen. Als der Ansturm sich am Nachmittag ein wenig legte, lotste sie uns und Frau Pawlik in das Bistro des Kulturpalastes und bestellte das schnellste Essen, das auf den Tisch gebracht werden konnte. Wie auch bei den anderen Mahlzeiten schmeckte es hervorragend. Doch kaum waren die Teller leer, eilten wir zum Parkplatz und hofften, dass der Autoverkehr in Warschau uns diesmal gewogen wäre. Frau Draga saß selbst am Steuer und vollbrachte das Wunder, uns in einer unwahrscheinlich kurzen Zeit zum Frederik-Chopin-Airport zu bringen. Es blieb sogar noch Zeit für einen schnellen Kaffee, dann galt es, Abschied zu nehmen. Während Frau Draga und Frau Pawlik wieder Richtung Kulturpalast aufbrachen, durchschritten wir die Sicherheitskontrollen und konnten kurz darauf den Riesenvogel betreten, der uns wieder in die Heimat bringen sollte.

Hinter uns lagen drei aufregende Tage in einer quirligen Stadt, eine sehr interessante Buchmesse und die Erinnerung an eine von Herzen kommende Gastfreundschaft, für die wir uns noch einmal bei Frau Draga und ihrem Team, aber auch bei unserer fürsorglichen Betreuerin Urszula Pawlik bedanken wollen. Sie alle haben den Aufenthalt in Warschau für uns zu einem Erlebnis gemacht, an das wir uns immer gerne zurückerinnern werden.

Iny und Elmar Lorentz



In Norwegen auf der Hurtigruten

Manchmal geht das Leben eigenartige Wege. In frühen Jahren wünscht man sich etwas, kann es aber nicht bekommen, und vergisst es irgendwann. Und dann wird man plötzlich aus einem ganz anderen Grund wieder darauf gestoßen. So ging es uns mit unserer letzten Reise. Als wir im Herbst einen Schauplatz für einen unserer nächsten Romane suchten, kamen wir dabei auf den nördlichen Winter mit seinen langen Nächten. Um authentisch schreiben zu können, wollten wir dieses Gefühl der Mittwinternacht selbst erleben und uns die Landschaft dort oben ansehen. Wir bereiteten uns schon eine Rundreise durch Eis und Schnee mit Hotelaufenthalten vor, als wir uns plötzlich wieder an unseren alten Traum erinnerten, die norwegische Küste mit einem Schiff der Hurtigruten zu befahren.
Wir suchten nach Informationen und bekamen schnell mit, dass wir unser Zielgebiet auf keine andere Weise so umfassend bereisen konnten wie mit dem Schiff. Die Fahrt wurde gebucht und Mitte Dezember 2009 mussten wir uns erst einmal an den Gedanken gewöhnen, dass wir bis Bergen fliegen mussten. Immerhin hatten wir seit fast 25 Jahren kein Flugzeug mehr betreten und eigentlich auch nicht die Absicht, es je wieder zu tun. Aber hier blieb uns nichts anderes übrig.
Auf jeden Fall kamen wir gut in Bergen an, genehmigten uns am Flugplatz noch einen Kaffee und hielten dann nach dem Bus Ausschau, der uns und noch etliche anderen Hurtigrutenfahrer zur Anlegestelle bringen sollte. Irgendwann kam auch ein Kleinbus, dessen Fahrer beim Anblick der wartenden Menge in Panik verfiel und erst einmal heftig telefonierend für 20 Minuten verschwand. Danach stopfte er die Hälfte der Wartenden in sein Gefährt, wobei er jeden Reisenden mit einem größeren Koffer aussortierte, darunter auch uns. Bevor der Unmut noch stärker werden konnte, tauchte ein zweiter Kleinbus auf, dessen Fahrer mit der Situation besser zurechtkam. Obwohl sein Wagen nicht größer war als der seines Kollegen, schaffte er es, alle restlichen Passagiere mitsamt ihrem Gepäck mitzunehmen. Einen Vorteil hatte die Sache jedoch. Als wir endlich auf der 'Trollfjord' eingecheckt hatten, konnten wir gleich unsere Kabine beziehen und uns auf das Abendessen freuen.

Allerdings waren wir nicht nur zum Vergnügen nach Norwegen gekommen, sondern um die winterliche Landschaft, durch die unser Schiff fuhr, zu erleben. Die nächsten Tage sahen uns daher nicht nur im Café und der Panorama-Lounge, sondern vor allem im stillen Kaare Espolin Johnson Room über Notizblöcken gebeugt, um unsere Eindrücke festzuhalten, und uns über unsere nächsten, geplanten Romane zu unterhalten. Auch in dieser Hinsicht wurde die Reise mit der 'Trollfjord' ein Erfolg. Nun war diese kein Kreuzfahrtschiff, sondern hatte auch Fracht an Bord und fuhr die einzelnen Häfen nach Fahrplan an. Dabei ergab sich immer wieder die Gelegenheit, die 'Trollfjord' zu verlassen und sich im Land umzusehen. Die dabei erlebten Eindrücke waren für unsere weiteren Planungen sehr wertvoll und machten es uns leicht, den ins Auge gefassten Roman zu entwickeln.
Je weiter es nach Norden ging, umso länger dauerte die Nacht und schließlich zog zur Mittagszeit nur noch eine graue Dämmerung auf, die die Inselwelt in ein verwunschenes Land verwandelten. Da wir auf unserer Reise alle möglichen Wetterbedingungen erlebten, von sternenklaren Nächten bis hin zu extremen Schneestürmen, konnten wir auch solche Erfahrungen sammeln. Vor allem die Fahrt durch die Barent-See wird uns in Erinnerung bleiben. Für einen Seemann mag es nur ein mittlerer Seegang gewesen sein, doch wir fühlten uns ein wenig an "Dezembersturm" erinnert. Natürlich waren wir nie wirklich in Gefahr, doch die Geräusche des Schiffes, der heulende Wind und das Stampfen und Schaukeln zeigten uns deutlich, dass wir die äußeren Umstände des Untergangs der 'Deutschland' sehr passend beschrieben hatten.
In jener Nacht hatten wir Sorge, bei einer der heftigen Schiffsbewegungen aus den schmalen Betten zu fallen, und als wir am Morgen den Frühstücksraum betraten, war dieser recht spärlich gefüllt. Unser einheimischer Kellner grinste breit und machte anzügliche Witze über die fehlenden Gäste. Eine weitere, für uns sehr wichtige Erfahrung war die Verpflegung an Bord. Diese war reichlich, sehr norwegisch, sprich fett und kalorienreich, und wir konnten bei den Büffets sehr unterschiedliche Sachen probieren. Elmar musste hier mehrfach als Versuchskaninchen einspringen, denn wenn wir über dieses Land schreiben wollen, müssen wir auch wissen, wie es dort schmeckt.
Für uns war es eine interessante und lehrreiche Reise und es zwickt uns in den Fingern, diesen Roman in Angriff zu nehmen. Vorher aber gilt es, zwei andere Manuskripte zu schreiben. Nach diesen werden wir in Gedanken wieder die Küste Norwegens abfahren und dabei ganz andere Abenteuer erleben als die kleinen Zwischenfälle auf dieser Reise.

Iny und Elmar Lorentz



Bei der Wanderhure in Fót

Viele unserer Fans wissen es bereits: Unser erfolgreichster Roman, "Die Wanderhure", wird derzeit mit Alexandra Neldel in der Hauptrolle in Ungarn und Österreich für Sat1 verfilmt. Produziert wird der Film von Andreas Bareiss und Sven Burgemeister von TV60, die zudem den österreichischen Oscar-Preisträger Josef Aichholzer und den ungarischen Produzenten László Kantor als Co-Produzenten gewinnen konnten. Die Dreharbeiten begannen am 21.09.2009 und sollen Mitte November 2009 abgeschlossen sein.

Schon im Vorfeld erreichte uns die Einladung der Produzenten, zwei Tage lang beim Dreh dabei zu sein und unsere "Marie" live zu erleben. Als Termin wurden der 25. und 26.10.2009 bestimmt, da an diesen Tagen in Fót bei Budapest mehrere der entscheidenden Szenen des Films auf dem Drehplan standen.

Da wir diese Reise wie gewohnt mit Auto und Wohnwagen antreten wollten, begann der 24.10.2009 für uns zu noch nachtschlafender Zeit. Um 06:45 Uhr waren die letzten Vorbereitungen getroffen und Elmar fuhr zur S-Bahnstation, um unsere Filmagentin Isabel Schickinger abzuholen. Um ja rechtzeitig bei uns zu sein, war diese eine S-Bahn früher gefahren und wartete bereits mit einer Butterbrezel und einem Becher Kaffee in der Hand auf ihn.

Da eine für ein Wohnwagengespann recht lange Tagesstrecke vor uns lag, ging es umgehend los. Immerhin wollten wir Budapest und unseren Campingplatz noch bei Tageslicht erreichen. Dies gelang uns auch. An unserem Ziel angekommen stellten wir den Wohnwagen ab und brachten Isabel zu ihrem Hotel.

Am Sonntag, den 25.10.2009, fuhren wir dann alle drei zu den Filmstudios in Fót. Am Set angekommen wurde uns sofort bedeutet, leise zu sein, da gerade eine der entscheidenden Szenen des Films gedreht wurde. Fast gleichzeitig hörten wir die zornigen Rufe der aufgebrachten Huren. Als dann auch noch die klare, bewegende Stimme von Alexandra Neldel als Marie aufklang, ging es nicht ohne Gänsehaut bei uns ab.

In einer kurzen Drehpause wurden wir zu einem Balkon geführt, von dem aus wir einen wunderbaren Ausblick auf das Geschehen hatten. Als Erstes sahen wir eine Menge Leute in mittelalterlichen Gewändern, zumeist Frauen jeden Alters, hübsche und weniger hübsche, mit den im Roman beschriebenen Hurenbändern am Ärmel. Dann aber richteten sich unsere Blicke auf die eine Gestalt im Vordergrund, die in unserer Fantasie entstanden war und nun lebendig geworden war. Für uns war es ein besonderer Augenblick, Alexandra Neldel als Marie zu sehen. Wir wussten zwar, dass es sich um eine ausgezeichnete Schauspielerin handelt, und hatten uns sehr gefreut, dass sie die Rolle übernommen hat. Doch sie so schön und gleichermaßen zerbrechlich und unbeugsam vor uns zu sehen, hatten wir nicht erwartet.

Es dauerte eine ganze Weile, bis wir den Blick von ihr lösen konnten, um uns die anderen Darsteller anzusehen. So stellte Thure Riefenstein einen Dietmar von Arnstein dar, wie wir selbst ihn nicht besser hätten aussuchen können. Götz Otto stand als prachtvoller Kaiser Sigismund inmitten seiner Höflinge und wurde in seiner Rolle nur einmal gebremst, als ihm jemand aus Versehen auf den Umhang trat. Auch die restlichen männlichen Rollen waren ausgezeichnet besetzt, ob nun Michael Brandt als Graf Keilburg oder Gregor Seeberger als Hunold. Auf Bert Tischendorf als Michel und Julian Weigend als Ruppertus mussten wir an diesem Tag allerdings verzichten. Sie wurden uns aber für den Nächsten versprochen.

Unsere Blicke wanderten indes weiter und suchten die von Nadja Becker sehr ansprechend verkörperte Darstellerin der Hiltrud. Sie stand, wie nicht anders zu erwarten, nahe bei ihrer Freundin Marie, gekrönt von einer entzückenden Frisur, die sie unter all den anderen Huren heraushob. Auch die von Lili Gesler gespielte Französin Madeleine trat genauso keck vor Sigismund auf wie in unserem Roman.

Wir lernten auch Elena Uhlig als energische Mechthild von Arnstein kennen. Mit Thure Riefenstein zusammen bildet sie ein Paar, das wie fast alles an diesem Set unserer eigenen Vorstellung hätte entstiegen sein können.

Besonders würdigen wollen wir hier die Leistung der ungarischen Komparsen und Komparsinnen und hier vor allem jene, die Marie/Alexandra Neldel als aufständische Huren beistanden. Isabel hatte uns den Drehplan dieses Tages gezeigt und da stand: 03:00 Uhr: 70 Huren in die Maske. Doch auch Alexandra Neldel und die anderen Darstellerinnen mussten zu einer unchristlich frühen Zeit in die Maske, da für den Drehtag jedes Fizzelchen Tageslicht ausgenützt werden musste.

Trotz des engen Drehplans fanden Alexandra Neldel und Nadja Becker während einer Umstellung der Kameras Zeit, uns zu begrüßen und ein paar Worte mit uns zu wechseln. Beide erwiesen sich als so liebe Menschen, dass es uns direkt leid tat, mit ansehen zu müssen, wie sie die kraft- und konzentrationsraubenden Szenen immer wieder spielen mussten, bis auch die letzte Kameraeinstellung zur Zufriedenheit des Regisseurs Hansjörg Thurn abgedreht war.

Wir waren an diesem Tag nicht die einzigen Gäste am Drehort. So hatte sich auch eine Abordnung von Sat1 eingefunden, um zu sehen, wie ihre Gelder verwendet werden. Wir glauben, sie waren von dem Gezeigten ebenso fasziniert wie wir. Eine Dame von TV-Movie und eine Reporterin der DPA hatten es sich ebenfalls nicht nehmen lassen, nach Fót zu kommen.

Nachdem dieser Drehtag beendet worden war, trafen wir uns mit den übrigen Gästen, den Produzenten sowie den Hauptdarstellern zum Abendessen. Hier lernten wir auch "Michel" und "Ruppertus" kennen und konnten mit ihnen und den meisten Schauspielerinnen und Schauspielern sprechen. Nadja Becker gab ihre Erfahrungen mit "Hiltruds" Ziegen humorvoll zum Besten. Die Tiere wären zwar sehr lieb gewesen, sagte sie uns, hätten aber fürchterlich gestunken. Da sie sich um die Ziegen kümmern musste, hätte sie ihre Hände jeden Abend fünfmal gewaschen, und zwar auch mit Spülmittel und Gallseife, allerdings ohne viel Erfolg. Von Elena Uhlig erfuhren wir, dass sie von allen Beteiligten "Die Wanderhure" am längsten kannte, da sie den Roman bereits bei Erscheinen als Reiselektüre gekauft hatte. Auch sonst war der Abend recht munter. "Ich bin Linhard!", "Ich bin Giso!", hieß es, so sehr hatten die Schauspieler sich mit ihren Rollen identifiziert.

Da auf dem Drehplan für Montag, den 26.10.2009 ebenfalls geschrieben stand. 03:00 Uhr: 70 Huren in die Maske, und auch die Schauspieler sehr früh dort sein mussten, verabschiedeten sich Alexandra und die anderen Akteure zu gegebener Zeit, um wenigstens ein paar Stunden Schlaf zu finden.

Auch für uns wurde die Nacht nicht gerade lang, da wir am nächsten Tag relativ früh vor Ort sein sollten. Bevor wir allerdings Isabel abholten, um mit ihr nach Fót zu fahren, suchten wir in Budapest einen Buchladen auf. Wir hatten im Internet erfahren, dass gerade zu der Zeit die ungarische Übersetzung der Wanderhure erschienen war, und wollten uns unbedingt eine Ausgabe besorgen. Dies gelang und wir konnten kurz darauf unseren Fund in Fót vorzeigen. Die ungarischen Komparsinnen waren begeistert, dass es das Buch, an dessen Verfilmung sie mitwirkten, nun auch in ihrer Muttersprache gab.

Viel Zeit zum reden blieb allerdings nicht, denn Hansjörg Thurn wollte an diesem Tag unbedingt eine ganz bestimmte Szene fertig drehen. Wir hatten wieder unseren Logenplatz auf dem Balkon, und nun waren auch Bert Tischendorf (Michel) und Julian Weigend (Ruppertus) mit von der Partie.

Andreas Bareiss und Sven Burgemeister von der federführenden Produktionsfirma TV60, die sich beide fürsorglich um uns kümmerten, hatten für unseren Setbesuch extra zwei Drehtage ausgewählt, an denen wir eine möglichst große Anzahl an Hauptdarstellern in Aktion sehen konnten. Es war auch ein Fotoshooting mit Alexandra Neldel geplant, doch Hansjörg Thurn verschob dies immer wieder.

Der für die Bauten verantwortliche Filmarchitekt erzählte uns, dass er mit einigen Leuten seines Teams vor den Arbeiten für die Wanderhure in Konstanz gewesen sei, um sich anhand der noch vorhandenen mittelalterlichen Bausubstanz ein Bild von den Gegebenheiten zur Zeit des Konstanzer Konzils zu machen. Zwischendurch zeigte er uns auch einige der Kulissen, an denen bereits gedreht wurde oder noch gedreht werden sollte.

Es war schon ein seltsames Gefühl, Maries Elternhaus vor uns zu sehen, das Gerüst mit dem Schandpfahl, oder auch nur die mittelalterlich aussehenden Gassen der Kulissenstadt. Wir geben gerne zu, dass diese Anlage in ihre Grundgerüst bereits seit längerem steht, aber sie wurden extra für die Wanderhure mit viel künstlerischem und produktionstechnischem Aufwand hergerichtet. Der Regisseur Hansjörg Thurn sagte in einem Interview auch, dass dieser Film ohne diese Kulissen niemals hätte gedreht werden können.

Ganz ohne eigene Neubauten für die Wanderhure ging aber doch nicht, und so standen wir auch in der guten Stube des Schärerhauses. Diese war noch nicht ganz fertig gestellt, bot aber trotzdem einen imponierenden Anblick. Nicht weniger als über diese prachtvolle Stube haben wir uns über den kleinen Leiterwagen in einer Ecke der Halle gefreut, der mit Ziegen bespannt eine wichtige Rolle in diesem Film spielt. Mit ihm hatten unsere Vorstellungen endgültig Gestalt angenommen.

An der Stelle müssen wir die Kostüme und Requisiten loben. Huren, Bürgerinnen und Bürger, aber auch die Edelleute und die Geistlichkeit sahen einfach toll aus, ebenso die Leibwachen des Königs und die Stadtknechte. Hier waren die Kettenhemden noch Kettenhemden, die Helme massiv und die Schwerter so schwer, dass diejenigen, die eines trugen, diese in den Drehpausen gerne aus den Scheiden zogen und in einer Ecke abstellten.

Eine hübsche kleine Episode gibt es auch noch erzählen. Der Knaur-Verlag hatte uns einige Exemplare der Wanderhure zur Verfügung gestellt, die wir den Hauptdarstellern überreichen durften. Als wir nach der Besichtigung der anderen Setteile zum Drehort zurückkamen, saß Gregor Seeberger alias Hunold, der gerade drehfrei hatte, gemütlich auf einem Stuhl und las in unserem Buch.

Wir warteten derweil immer noch auf den Fototermin mit Alexandra Neldel. Da aber die bewusste Szene noch nicht fertig gedreht war und niemand den Regisseur drängen wollte, wurde kurzerhand beschlossen, die Fotos zu späterer Zeit in München nachzuholen. Um die Schauspieler und das Drehteam nicht zu stören, verabschiedeten wir uns leise von Andreas Bareiss und Sven Burgemeister und schlichen uns vorsichtig davon. Auf dem Weg zum Auto kam Isabel auf die Idee, in der Filmkantine noch einen Kaffee zu trinken. Dort wurden auch die während des Tages ausgeschalteten Handys wieder aktiviert. Kaum war dies geschehen, meldete sich die Produktionssekretärin ganz aufgeregt, dass der Drehtag jetzt doch beendet sei und wir noch einmal für die Fotos zurückkommen sollten. Sie wähnte uns bereits auf der Schnellstraße nach Budapest.

Da uns allerdings der Kaffee aufgehalten hatte, waren es für uns nur ein paar Schritte und so konnten die Fotos noch geschossen werden, zuerst mit Alexandra Neldel, Iny und Elmar, dann kam Bert Tischendorf als Michel hinzu, und schließlich Kaiser Götz Otto Sigismund. Der ungarische Co-Produzent László Kantor wollte unbedingt, dass die ungarische Ausgabe der Wanderhure ebenfalls aufs Bild kam. Isabel, die auf Inys Kopftuch und Mütze sowie auf Elmars Rucksack aufpasste, wurde daher mit der Forderung "Give me the Book!" konfrontiert und drückte ihm erst einmal Kopftuch, Mütze und ihren Kaffeebecher in die Hand, um in Elmars Rucksack nach dem Buch wühlen zu können. Dann aber war es so weit und das Foto konnte gemacht werden.

Der Fototermin bot uns die Gelegenheit, uns bei Alexandra Neldel für ihre famose Darstellung der Marie zu bedanken und ihr und dem gesamten Team noch viel Glück für die restlichen Drehtage zu wünschen.

Danach schieden wir mit einer gewissen Wehmut vom Drehort, denn am liebsten wären wir dort geblieben, bis die letzte Szene fertig gedreht ist.

Wir bedanken uns bei den Produzenten und den Schauspielern für zwei wunderschöne Tage und freuen uns auf einen großartigen Film.

Iny und Elmar Lorentz



Auf Recherche in Rom

Einen Roman zu schreiben bedeutet auch, sich mit den Gegebenheiten vor Ort vertraut zu machen. Bei der Geschichte, an der wir gerade schreiben, war dies relativ einfach, denn sie spielt in der Hauptsache in München und Augsburg. Doch mittlerweile wirft der nächste Roman seine Schatten voraus, und da hieß es für uns, den Weg nach Rom anzutreten.

Zuerst wollten wir wie gewohnt mit Auto und Wohnwagen dorthin fahren, doch es zeigte sich bereits im Vorfeld, dass wir auf uns allein gestellt einige der wichtigsten Stellen im Vatikan nicht zu sehen bekommen würden. Da wir uns nicht nur auf geschriebenes Material und Bilder verlassen wollten, entschieden wir uns schließlich, uns einer Pilgergruppe anzuschließen, die Ende September, Anfang Oktober 2009 mit geistlicher Begleitung Rom aufsuchen wollte. Dies erwies sich als doppelter Vorteil, denn wir teilten das Zugabteil während der Fahrt mit dem Reiseleiter und dem uns betreuenden Geistlichen und konnten daher bereits auf dem Weg dorthin Fragen stellen. Beide Herren erwiesen sich als sehr kooperativ und sorgten dafür, dass diese Reise für uns zu einem vollen Erfolg wurde.

Außerdem mussten wir diese Reise nicht allein antreten. Unsere Agenturbetreuerin, die mehrere Jahre in Italien gelebt hatte, begleitete uns und unterstützte uns bei unseren Recherchen. Da sie zudem fließend italienisch spricht und sich in der Stadt ausgezeichnet auskennt, konnten wir das Programm der Pilgerreise geschickt mit unseren persönlichen Abstechern kombinieren.

So haben wir nicht nur die Hauptkirchen Roms aufgesucht, sondern auch ein paar weitere, die in unserem Roman eine große Rolle spielen werden. Wir durchmaßen das antike Rom und ermittelten, von welchen Bauten es vor fünfhundert Jahren mehr als nur ein paar Trümmer gab. Außerdem sind wir kreuz und quer durch den Stadtteil Trastevere spaziert. Lange Wanderungen bei für uns noch recht sommerlichen Temperaturen, Busfahrten durch die wichtigsten Stadtteile und Besichtigungen der für den Roman ins Auge gefassten Örtlichkeiten wechselten in rascher Reihenfolge ab und wenn wir abends mit wund gelaufenen Füßen ins Hotel zurückkehrten, sichteten wir die Unterlagen, die wir unterwegs besorgt hatten. Hier muss man ausdrücklich die Geduld unseres Reiseleiters loben, der uns jedes Mal Zeit genug ließ, in den Buchläden zu stöbern, und uns bei unseren Exkursionen auf eigene Faust immer einen Treffpunkt nannte, an dem wir uns wieder der Gruppe anschließen konnten.

Auch wenn die Fahrt durch unser straffes Programm anstrengend war und wir den römischen Klimaanlagen zuletzt eine heftige Bronchitis zu verdanken hatten, konnten wir schließlich beruhigt nach Hause zurückkehren. Große Teile des Romans, der in Rom spielen wird, hat dort bereits Gestalt angenommen.

Wenn ihr euch fragen solltet, um welchen Roman es sich dabei handelt, so können wir nur sagen, dass es ein Wiedersehen mehr mit guten alten Bekannten geben wird.

Iny und Elmar Lorentz





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