Reisen & Recherchen

Die grüne Insel

Durch den Pressetermin für Sat1 in Hamburg hatte der Beginn unserer Irlandreise einen anderen Verlauf als geplant genommen. Nachdem wir mit unseren Interviews fertig waren, fuhren wir zum Flughafen Fuhlsbüttel. Dort angekommen galt es erst einmal, den nagenden Hunger durch ein arg spätes Mittagessen zu besänftigen, und dann auf unseren Flieger zu warten. Irgendwie hatte dieser Gegenwind, denn er erreichte Hamburg erst mit einiger Verspätung und wir stiegen mit gewisser Sorge an Bord. Schließlich hatten wir die Reise bei einem exklusiven Reiseunternehmen gebucht und sollten in Dublin zu der Reisegruppe stoßen, die gleich uns diese Fahrt unternehmen wollte. Zwar hatte man uns versprochen, die anderen würden am Flughafen auf uns warten. Doch nun kamen wir über eine Stunde später an. Allerdings war auch das Flugzeug unserer Mitreisenden ebenfalls nicht pünktlich und so mussten diese nicht lange auf uns warten. Das Abendessen musste aber trotzdem verschoben werden. Der guten Laune und unserer Erwartungshalten tat dies jedoch keinen Abbruch und so freuten sich alle auf den Morgen, an dem wir unsere Tour über die Insel der Mönche und Heiligen beginnen würden.

Begleitet wurden wir durch Pfarrer Matthias Bertram, der von unserer irisch-deutschen Reiseleiterin Doris sofort in Father Matthew umgetauft wurde, und eben von Doris selbst. Diese ist seit über dreißig Jahren in Irland ansässig und erwies sich als ein wahrer Quell des Wissens. Ebenso wie Father Matthew war sie für all unsere Fragen offen und half uns nach Kräften bei der Suche nach Büchern und anderem Informationsmaterial.

Es galt in den nächsten Tagen, ein straffes Programm durchzuziehen. Die Besichtigungen in Dublin, Glendalough, Kilkenny, Rock of Cashel, Adare und anderen Orten reihten sich wie Perlen an einer Kette auf, unterbrochen nur von den nötigen Nachtruhen und den Mahlzeiten. Das Wetter der Insel, als sehr launisch verschrien, war auf unserer Seite. Bei gleißendem Sonnenschein wie Doris es immer wieder nannte vergingen die ersten Tage und von dem vorhergesagten Regenwetter war nichts zu sehen.

Es war für Father Matthew und Doris nicht gerade leicht, den Vorstellungen der einzelnen Teilnehmer gerecht zu werden. Der eine suchte spirituelle Erlebnisse beim Besuch heiliger Stätten und Klöster, andere ein touristisches Programm, während wir vor allem an der Vergangenheit der grünen Insel interessiert waren. Unseren beiden Reiseleitern gelang es jedoch ausgezeichnet, jedem von uns gerecht zu werden. Uralte Ringfestungen, ehrwürdige Kathedralen und von Mythen umwobene Klöster wurden ebenso ausgiebig besichtigt wie die Katen armer irischer Pächter und die Herrensitze der Lords aus England.

Einer der Höhepunkte dieser Reise war der Besuch des National Folk Theatre of Ireland Siamsa Tire in Tralee. Zur Aufführung kam Clann Lir, die Geschichte von den Kindern von Lir, die in irischer Sprache gesungen wurde. Auch sonst wurde die Kultur nicht vernachlässigt. Wir hatten in Dublin immerhin das berühmte Book of Kells und einige andere Texte aus alten Zeiten besichtigt, und besuchten unterwegs das Grab des irischen Literaturnobelpreisträgers William Butler Yeates in Drumcliff.

Die Macht der Natur wurde uns bei den Cliffs of Moher und bei dem Burren genannten Landstrich offenbart. Die Burren sind ein Symbol für die unersättliche Gier des Menschen, denn die Eichen, die dort einmal wuchsen, wanderten als Holzkohle in die englischen Schmelzöfen. In dem danach schutzlos der Erosion ausgeliefertem Landstrich wurde der Mutterboden im Verlauf weniger Jahrzehnte vom Regen weggeschwemmt und übrig blieb eine Wüste aus Stein. Nur in den Felsspalten hält sich noch ein wenig Erde mit spärlichem Bewuchs, der nicht einmal ausreicht, den verwilderten Ziegen, die dort leben, genug Nahrung zu bieten. Andere Teile der Insel sind zum Glück fruchtbarer und so trägt Irland den Beinamen 'Die grüne Insel' zurecht.

Unser Weg führte uns ebenso an schroffen Küsten und sandigen Stränden vorbei wie an 700 bis 900 Meter aufragenden Bergen, sanfteren Hügeln und brettebenen Landstrichen. Wir sahen die Rundtürme uralter Klöster und lauschten dem Wind, der von alten Zeiten erzählte, vom Leben der Menschen in Armut und Not ebenso wie von Krieg und Unterdrückung. Wir kamen auch nach Nordirland, jenen Teil der Insel, dessen Entwicklung seit Jahrhunderten anders verlief als der Rest und sahen die Statuen von Göttern, die dort angebetet wurden, lange bevor die Kelten auf die Insel kamen. Auch besuchten wir den Croagh Patrick, Irlands heiligen Berg. Unsere Wanderung führte uns bis zum Beginn des eigentlichen Pilgerpfades, der auf uns den Eindruck eines ausgetrockneten, steinigen Bachbetts machte. Wie Doris erzählte, sollen gläubige Iren den mehrstündigen Anstieg barfuß in Angriff nehmen. Einer unserer Mitreisenden hatte den Croagh Patrick vor mehr als einem Jahrzehnt bestiegen, in Schuhen, wie er beteuerte, und er sagte, er würde es kein zweites Mal mehr machen. Um das zu schaffen, muss man wahrscheinlich als Ire geboren sein.





Für uns war die Reise interessant und lehrreich. Elmars Koffer füllte sich mit Büchern und Informationsmaterial. Wir notierten Buchempfehlungen und eigene Eindrücke und unsere kleine Kamera kam kaum zur Ruhe. Drei der aufgenommenen Bilder werden diesen Bericht begleiten. Da ist zum einen die berühmte Statue von Molly Malone in Dublin, eine Landschaftsaufnahme in den Wicklow Mountains, sowie eines der großen Hochkreuze und der Rundturm von Monasterboice. Dort endete auch unsere Besichtigungsreise durch Irland, und so als wäre der Himmel der Insel traurig, uns scheiden zu sehen, erlebten wir dort den irischen Regen, den wir während unserer Rundfahrt nicht wirklich vermisst hatten.

Am nächsten Morgen trennten wir uns von der Reisegruppe, die gegen Mittag den Heimflug nach Deutschland antrat, und gingen unserer eigenen Wege. Auf diesen besorgten wir uns noch einige Informationen und vervollständigten unser Reisetagebuch, bevor auch für uns der Abschied von der grünen Insel kam. Spät in der Nacht erreichten wir im Direktflug München und kehrten nach Hause zurück. Von einer Mitreisenden erfuhren wir später, wie viel Glück wir gehabt hätten. Die meisten Mitglieder der Reisegruppe mussten nämlich in Frankfurt umsteigen und waren dort in ein Chaos geraten, durch das sie beinahe ihre Anschlussflüge verpasst hätten.

Hinter uns liegen lehrreiche Tage mit einer Fülle von Eindrücken, die nun geordnet werden müssen. Unser Dank gilt dem Bayrischen Pilgerbüro, das uns die individuelle An- und Abreise ermöglicht hat, ebenso Pfarrer Matthias Bertram, von dem wir sehr viel über die Geschichte der Kirche in Irland erfahren konnten, und natürlich Doris, die uns ihre Liebe zu Irland hat spüren lassen und die selbst schwierigste Fragen geduldig beantwortete.

Iny und Elmar Lorentz